Donnerstag, 8. August 2013

An der Küste

8. August ■ Oulainen - nach Siikajoki (95 km)

Wir sind jetzt kurz vor Oulu, der nördlichsten Großstadt der EU und haben uns kurzfristig entschlossen, noch einen Abstecher zur Küste hin zu unternehmen.

Am Siikajoki
Blick aus der Hütte
Wir starteten morgens gegen 8 Uhr bei diesigem und recht kühlem Wetter und fuhren über Vihanti nach Ruukki. Die Landschaft ist im Vergleich zu Mittelfinnland nicht so schön, flach und landwirtschaftlich genutzt.

Eine der schönsten Unterkünfte auf unserer Reise
Dazwischen gibt es natürlich immer einmal wieder Abschnitte durch Wälder, die allerdings nicht mehr so dicht wirken. Nach 60 km wollten wir in Ruukki eigentlich Schluss machen, da Sandi aus unerklärlichen Gründen leicht angeschlagen war und wir viele Schotterpisten gefahren waren.

Da wir aber keine passende Übernachtungsstelle fanden, sind wir entlang des Siikajoki-Flusses Richtung Ostsee gefahren und fanden schließlich eine herrliche bed and bike-Unterkunft. Wir wohnen allein in einem wunderbaren typischen kleinen Holzhaus mit Fußbodenheizung im Bad. Sandi geht es gut und erholt sich durch eine Mütze Schlaf. Ich sitze jetzt in der Abendsonne am Fluss und genieße die Strahlen der untergehenden Sonne. Das Leben kann so schön sein.

Alkohol und Sendemasten

Alkohol wird nur in speziellen schmucklosen Läden verkauft, wo man sich wahrscheinlich schon beim Betreten seiner Gelüste schämen soll. Ob es hilft? Ich weiß es nicht. Eine Ausnahme bildet Bier, das gibt es ab 9 Uhr auch im Supermarkt.

Die Netzabdeckung hier ist ausgezeichnet. Der Preis dafür: man sieht sehr häufig große Metallmasten.

Mittwoch, 7. August 2013

Warten auf das Gewitter

7. August ■ Haapajärvi - Oulainen (94 km)

Gemütliches Frühstück
Der Wetterbericht sagte für heute Nachmittag Gewitter voraus. Also starteten wir früh, um noch gut ein paar  Kilometer unter die Räder zu bekommen.

Es ging anfangs am Fluss entlang, das war aber mehr ein
langgestreckter See. Ich habe gelesen, dass sich Finnland im Jahr um einige Zentimeter hebt und die Flüsse deshalb immer langsamer werden.

Gegen Mittag waren wir dann nach 57 Kilometern in Haapavesi, einem Städtchen mit ca. 7.000 Einwohnern.

Wir finden uns da inzwischen ganz gut zurecht: man sucht den Wegweiser "Keskusta" (Zentrum) und findet dann einen Supermarkt, eine Tankstelle, meist einen Pizza-Döner-"Kioski" und gelegentlich eine Post oder Apotheke. Heute sogar einen Nachtclub. Es gab eine Pizza in einer ziemlich heruntergekommenen Pizzeria, der Chef las lieber Zeitung, als das benutzte Geschirr von den Tischen zu räumen.

Das Gewitter ist im Anmarsch
Wir überlegten kurz, ob wir auf dem schön gelegenen Campingplatz bleiben und einen gemütlichen Nachmittag verbringen, entschlossen uns dann aber für die Weiterfahrt.

Zur Zeit sitzen wir in einem Buswartehäuschen und lassen das Gewitter über uns hinwegziehen...es regnet ordentlich; also die Regensachen raus und vor allem die warmen Überzieher für Sandras Füße.
Zum Glück sitzen wir in der Bushaltestelle
Sollte das unser letzter Eintrag sein, dann hat uns der Blitz getroffen. ;)

Hauptsache trocken
Da das Gewitter nach etwa einer dreiviertel Stunde vorbei zu sein schien, fuhren wir mit dem Ziel, wild zu zelten weiter. Doch der Regen wurde kräftiger, so dass die Lust schwand. Und schlussendlich konnten wir in Oulainen ein finnisches "Hotelli" kennenlernen. Das ist eher zweckmäßig und mit dem Charme der 70er Jahre. Frühstück gibt es zwischen 6.30 und 7.30 Uhr, also für Berufstätige wie uns ;-). Wir sind jedoch froh über Trockenheit und ein warmes Bett. Hier gibt es offenbar keine solche Hotellandschaft wie in Deutschland.

Dienstag, 6. August 2013

Der ideale Tag

6. August ■ Pihtipudas - Haapajärvi (79 km)

Morgenstimmung am Campingplatz
Heute war ich (Sandra) schon beizeiten wach (immer noch dem Arbeitsrhythmus angepasst: 6.20 Uhr). Außerdem war die Nacht etwas durchwachsen. Da wir beschlossen hatten, den Tag etwas nach vorn zu verlegen, passte es ganz gut.

Etwas verquollen, aber nach kurzer Zeit wirklich ok, frühstückten wir in aller Seelenruhe, genossen die morgendliche Sonne und Stille mit den Enten am Schilf und saßen am frühen Tag schon auf den Rädern.

Unaussprechliche Ortsnamen
Die nun flacher werdende Landschaft, der Rückenwind und auch tolles Radelwetter ließen uns schnell voran kommen.

Wir fuhren durch Orte, deren Namen wir kaum aussprechen können. Hier gibt es Buchstaben, die in einem nicht miteinander kombiniert werden können. Bspw. A und Ä. Das sieht dann wie auf dem Foto unten aus.

Die Landschaft wird flacher
Ansonsten prägten hauptsächlich Birkenwälder, Felder und Land- und Holzwirtschaft den Weg. Auch die zunehmende Entfernung  zu den Großstädten ist spürbar. Der ohnehin schon spärliche Verkehr nimmt zusehends ab. Auch auf Straßen mit zweistelliger Nummernbezeichnung (bestimmt auch hier die Wichtigkeit derselben wie in Deutschland) hielt er sich in Grenzen. Allerdings ist es auch paradox, dass an unseren Übernachtungsplätzen der Verkehr oft  zu hören ist, dies uns jedoch nicht stört.

...nachher
Vorher...
Heute übernachten wir für 10 € auf einer Wiese an einem kleinen Fluss in Haapajärvi. Im daneben liegenden Gebäude (wahrscheinlich ein Dorfzentrum) gibt es Wasch- und Kochgelegenheit.

Montag, 5. August 2013

Es wird immer einsamer

5. August ■ in der Nähe Viitasari - Pihtipudas (75 km)

Achtung B...wellen
Allmählich wird es einsam. So einsam, dass wir bis zur Ankunft in Pihtipudas weder an einer Einkaufsmöglichkeit noch an einem Imbiss vorbei kamen.

Hm...lecker Heidelbeeren
Anfangs noch 10 km auf befestiger Strasse, ging es dann 20 km auf einer mal ganz passablen, aber auch schwierig zu fahrenden Schotterpiste entlang. Das entsprechende Verkehrszeichen sieht zwar, zumindest für Männer, recht anregend aus, bedeutet aber erhöhte Strapazen für Mensch und Material. Und zwischendurch auch Asphaltstraße zur Erholung; immer im Wechsel.

Erstmals kochten wir in freier Wildbahn unser Mittagssüppchen mangels anderer Gelegenheiten. Wie romantisch... Ringsum Unmengen Blau-, Preisel- und uns unbekannte schwarze Beerenbüsche (wer kennt die vielleicht?) Die großen Findlinge zwischendrin waren dick mit Moos bewachsen.Wir saßen wie auf weichen Sesseln.

Mittagessen in der Idylle
Später kamen wir uns vor wie auf dem Highway; die Straße ohne jede Kurve nahm kein Ende...

Weit und breit nix
Nun sitzen wir am Ufer des Kolima-Sees kurz vor Pihtipudas beim Wildcamping (auf einem verlassenem Campingplatz), genießen und verabschieden uns langsam von der prachtvollen Mittelfinnischen Seenplatte. Morgen auf unserer Fahrt nach Haapajärvi wechseln in die Landschaft (entspricht etwa dem deutschen Bundesland) Nordösterbotten.



Sonntag, 4. August 2013

Urwald, Schotterpiste und Autorennstrecke

4. August ■ Saarijärvi - unweit von Viitasari (Zeltplatz Hännilänsalmi) (71 km)

Riesenkiefer
Wie immer in den letzten Tagen genossen wir gesunden, reichlichen Wald... bis wir in den Urwald kamen. Der Pyhä-Häkki-Nationalpark ist einer der letzten Urwälder Mittelfinnlands. Dort steht eine alte Kiefer (auf schwedisch "Gammelfuran"), welche leider nach 486 Jahren 2004 abgestorben ist. Die hat also schon zu Bachs Zeiten gelebt. Imposant.

Dicker als die Sandi ;-)
Zudem trafen wir noch auf einen "Schweizer" aus Berlin, der gerade aus Schwedisch-Lappland kam und meinte, dass die Mücken in diesem Jahr besonders reichlich vorhanden sind. Wir werden sehen ...

Weitere ca. 30 Kilometer fuhren wir über die Schotterpiste. Diese ließ sich gut bewältigen, da der Schotter extrem fest gewalzt ist.

Schöner Briefkasten
Nach heutigen 71 km fanden wir doch noch, weil die gefahrene Route ein wenig von der geplanten abwich, einen Campingplatz am Rande der E75. Das ist die Straße von Helsinki nach Norden, also wahrscheinlich die wichtigste Nord-Süd-Achse und entsprechend befahren. Die letzten 2 Kilometer auf dieser war Urlaub wie er nicht sein sollte: rumeiern auf dem Randstreifen einer Rennstrecke ;-). Der Campingplatz lag an einem See, wo Andi, wie fast jeden Tag, schwamm, diesmal mit Blick auf eine imposante Brücke.

Ursprünglich wollten wir wild zelten, aber dachten dann, dass dies im Naturschutzgebiet unangebracht ist. So schwenkten wir am Ende nach Osten in Richtung Hauptverkehrsstraße.

Am Wegesrand standen immer wieder, manchmal sehr liebevoll und individuell gestaltete Briefkästen, die eine willkommene Abwechslung waren.

Übrigens die meisten Supermärkte haben 7 Tage pro Woche geöffnet.  Die Preise sind etwas höher als zu Hause. Und in jedem stehen im Eingangsbereich gut besuchte Spielautomaten.

Samstag, 3. August 2013

Wald, Wald, Wald...

3. August ■ hinter Jyväskylä - Saarijärvi (65 km)

Heute fällt unser Blog sehr kurz aus, da es außer Wald nicht viel zu sehen gibt.

Ortseingang
Der Wald wird nach Norden hin immer weniger durch landwirtschaftlich genutzte Flächen unterbrochen. Man kann dies in Fotos schlecht dokumentieren, diese Stimmung muss man einfach nur auf sich einwirken lassen. Es ist für uns sehr beruhigend. Auf dem Foto ist ein hier übliches Ortseingangsschild zu sehen, auch in den Ortschaften stehen viel mehr Bäume als zu Hause.

Entsprechend unserer heutigen Eindrücke campieren wir heute auf einem Waldcampingplatz in der Nähe von Saarijärvi (10.000 Einwohner), wo wir auch die camping card europe kauften. Dieser liegt neben einem Freizeitpark. Hier standen 2 weitere Zelte. Abends unterhielten wir uns mit einem der finnischen Camper (ca. 30 Jahre), er arbeitet als IT-Spezialist und war von unserer Tour begeistert. Er war schon 2 Wochen auf diesem Zeltplatz und freute sich, dass heute 2 neue Zelte dazu gekommen waren, bis dahin war er der einzige.

Freitag, 2. August 2013

Freundliche Finnen und viele Höhenmeter

2. August   ■  Luhanka - hinter Jyväskylä (95 km)

Bergauf - Bergab
Eigentlich sollte es heute eine gemütliche Tour werden. Geplant waren ca. 65 Kilometer bis zum nächsten Campingplatz. Dieser, der Leser wird es ahnen, war nicht vorhanden. (Empfehlung: im Vorfeld aktuelle Infos über Unterkünfte einholen und nicht nur auf Osmand verlassen). So sitzen wir jetzt nach knapp 100 bergigen Kilometern hoch über einem See in der Nähe der sehenswerten Stadt Jyväskylä (133.000 Einwohner). Da wir ungeplant wild campen, haben wir nicht genügend Wasser mit, so dass wir mit einem 1/4 Liter Mineralwasser für Waschen und Zähneputzen auskommen müssen. Die tolle Kulisse entschädigt aber für alles.
Mittelfinnische Seenplatte vor Jyväskylä 


Empfehlenswerte Stadt, für die wir uns zu
wenig Zeit genommen haben
Kurz vor dem Ortseingang von Jyväskylä machten wir noch einen Abstecher auf die Insel Säynätsalo. Auf der Inselrundfahrt entdeckten wir ein architektonisch interessantes Rathaus.

Die Zeit war zu knapp, um Jyväskylä noch entspannter und intensiver kennenzulernen. Schade. Fazit: Sandi plant morgen die Route...

Es ging wieder durch Wälder an Seen entlang, einer schöner als der andere. Das Wetter war nach dem morgendlichen Nieselregen perfekt. Und jetzt (23 Uhr) ist es immer noch hell, obwohl die Sonne vor 1 Stunde untergegangen ist.

Mit 2 Vorurteilen möchte ich gerne noch aufräumen: das finnische Bier ist durchaus genießbar und die Finnen sind keineswegs verschlossen. Die jungen Leute (also unser Alter ;) ) sprechen Englisch und Ältere Deutsch; mit vielen kamen wir schnell ins Gespräch. Wie war doch das Sprichwort --> Wie man in den Wald hineinruft, ...


Ein "versöhnlicher" Abschluss vor toller Kulisse
Blick von unserer Campingstelle hinunter zum See

Donnerstag, 1. August 2013

Wasser von oben und unten

1. August   ■  Vääxa - Luhanka (97 km)

Mittelfinnische Seenlandschaft
Das Radeln hier unterscheidet sich durch die Landschaft mit ihren langgestreckten Hügeln und Kurven, sowie seine über weite Gebiete spärliche Bebauung von Deutschland.

Anfänglich ging es 8 Kilometer auf einem schmalen Landrücken mitten durch den See. Gemischte Fichten- und Birkenwälder, sowie Felder dominieren daneben das Bild. Zum größten Teil einsame Briefkästen runden das Ganze ab. Die Häuser stehen manchmal soweit weg, dass die Bewohner mit dem Auto dahin fahren. Uns gefällt es sehr; andere würden es vielleicht auch langweilig finden.

Der Zeltplatz, wo wir übernachten wollten, existierte nicht. Sowohl unser GPS als auch die Karte sind scheinbar zu betagt. So sind wir dann auch 20 Kilometer mehr gefahren als ursprünglich geplant. Das war wohl eigentlich unser Glück...
Urige - typisch finnische - Unterkunft
Nach knapp 100 km setzten wir den Fuß um 18.45 Uhr unter das Dach einer Pizzeria in Luhanka und der Himmel öffnete so die Schleusen wie wir es auf unserer Reise bisher noch nicht erleben mussten. Als hätten wir es geahnt, fanden wir kurz zuvor eine Bed und Bike Unterkunft in einer superkleinen typischen roten Holzkate ohne Fenster und Dusche, aber dafür mit Frühstück und Sauna am See für 30€/Person. Ganz, ganz urig.

Unterwegs hatten wir noch 2 nette finnische Radfahrer kennen gelernt, welche auch hier übernachten. Sie erklärten uns auch, wie man die Sauna benutzt.
In der Blockhütte

Das Dorf hat eine Sehenswürdigkeit, nämlich die größte finnische Holzkirche.
Ja, Holz gibt es hier en masse. So lernten wir noch die typische finnische Sauna, wie kann es anders sein, mit einem Holzofen kennen. Die Abkühlung erfolgte im angrenzenden See. Eine Dusche oder Waschgelegenheit gibt es nicht, dies wird alles in der Sauna erledigt.

Sauna
Wo gehobelt wird, fallen auch Späne... diese finden ebenfalls eine einfallsreiche Verwendung, nämlich als Geruchsneutralisierer für das Plumpsklo. Außerdem scheint es hier mehr Linkshänder zu geben. Alle Türschlösser werden nach links geöffnet.

PS: Gäbe es eine WM im Schwarzbrotbacken, wären die Finnen wie im Auto- und Skisport vorn mit dabei ;-)





Mittwoch, 31. Juli 2013

Vorsicht Elche


31. Juli ■ bei Orimattila - bei Vääksy (81 km)
Schanze von Lahti

Heute haben wir den ersten Elch gesehen, wenn auch nur auf einem Verkehrszeichen kurz vor Lahti.

Vormittags regnete es ein wenig, aber der angekündigte Regen blieb glücklicherweise aus.

In Lahti (ca. 100.000 Einwohner) fuhren wir auf dem Weg zum Zentrum durch das Rotlichtviertel, dann gab's erst mal eine Baguette zum Mittag. Das Stadtzentrum besteht im Wesentlichen aus einer Ansammlung von Einkaufsläden. Danach ging es hoch zur Schanze; dort war so steil, dass wir schieben mussten. Von da hat man aber einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt. (Lauffaule fuhren mit dem Sessellift ;).

Nach Lahti beginnt die Finnische Seenplatte; zunächst fuhren ca. 30 Kilometer am Ufer des Vesijärvi entlang. Zum Glück haben wir das Navi, sonst hätten wir diese herrliche Route nie gefunden. Einen kurzen Regenschauer überstanden wir in einem Buswartehäuschen.

Unterwegs trafen wir 2 Radler aus Belgien, sie kamen aus Rovaniemi  (da wohnt der Weihnachtsmann) und fuhren nach Helsinki, ein Stück auch an der russischen Grenze, dem früheren Eisernen Vorhang.

Romantik beim Wildzelten
Die in der Karte verzeichnete Jugendherberge in Asikkala haben wir (Gott sei Dank) nicht gefunden, so dass wir jetzt nach 81 Kilometern am Ufer eines Sees wild campen. Unsere Campingstelle befindet sich an einem Bootsanlegeplatz, welcher durch einen knapp 1 Kilometer langen Weg mit der Strasse verbunden ist. In der Nähe befinden sich einige Ferienhäuser. Und wenige Mücken leisten uns Gesellschaft. Das Fahren fiel uns heute schon leichter als gestern, auch an das spartanische Campingleben gewöhnt man sich langsam.

Abendstimmung


Dienstag, 30. Juli 2013

Durch das hügelige Südfinnland

30. Juli ■ Vanhakylä  - "tote Hose" zwischen Pukkila und Orimattila (70 km)

Hügel auf - Hügel ab
Unsere Nachbarn auf dem Campingplatz mit Hund, Radio und böllerndem amerikanischen Straßenkreuzer hatten für eine "durchwachsene" Nacht gesorgt. Ein Regenschauer verzögerte die Abfahrt außerdem.

Als wir dann gegen 11 Uhr endlich auf der Piste waren, ging es immer bergauf und bergab, der Gegenwind beschleunigte die Fahrt leider auch nicht. Die Landschaft ist sehr weitläufig, Felder, Wälder, und darin eingestreut, einzeln stehende Häuser (zumeist Holzhäuser). Hier sind offenbar die Grenzen zwischen bewohnten und unbewohnten Gebieten fließender als in Deutschland.
Es ging dann über Järvenpää, Mäntsälä, Pukkila in Richtung Orimattila. Die Verkehrsdichte auf den gut ausgebauten Nebenstraßen ist erfreulich gering.

Zelten am Bach
Heute nutzen wir das Jedermannsrecht und zelten idyllisch auf einer großen Wiese an einem einsamen Bach (der ein bisschen schlammig war, baden konnte man trotzdem). Außer dem Rauschen der Wälder ist hier nichts zu hören.


Montag, 29. Juli 2013

Dem Hauptstadttrubel entflohen


29. Juli ■ Helsinki (Hafen) - Vanhakylä (83 km)

Ankunft in Helsinki
Die Einfahrt nach Helsinki war beeindruckend. Wir fuhren ca. 1 Stunde durch die der Küste vorgelagerte Schären. Die steinige Küste und die vielen kleinen Inseln sind bis zum Ufer mit Wald bewachsen. Der Hafen liegt ca. 20 km östlich von Helsinki - Zentrum.

Gegen 9 Uhr wurden wir vom Schiff eskortiert. Erster Eindruck: klasse Radwege und entspannte, rücksichtsvolle Autofahrer. Der Hafen liegt im östlichsten Stadtteil von Helsinki, Vuosaari.

Am östlichsten Punkt Helsinkis - Vuosaari Harbour
In Helsinki besichtigten wir verschiedene Sehenswürdigkeiten: den Hafen, eine Felsenkirche mit sehr guter Akustik; Sandra war beeindruckt vom gefühlvollen Spiel des Pianisten, Holzhäuser (ich dachte, die roten gibt es nur in Schweden) und einen Erholungspark. Wegen Helsinki allein muss man jedoch nicht nach Finnland kommen ;-).

Danach ging es noch 20 nervende Kilometer an der Hauptausfallstraße nach Norden entlang. Jetzt kennen wir wahrscheinlich jeden zweiten finnischen Autofahrer.

Helsinki Zentrum
Vor der Felsenkirche
Und plötzlich war alles ruhig. Gemütlich ging es über Nebenstraßen durch Felder und Wälder, vorbei an kleinen Häuschen, voran und nach 83 Tageskilometern erreichten wir einen an einem See idyllisch gelegenen Campingplatz in Vanhakylä in der Nähe der Stadt Järvenpää. Dort gab's noch einen schönen Kaffee (wir lernten, dass man sich selbst bedienen kann bzw. muss), und nach Zeltaufbau und Abendsüppchen erkundeten wir zu Fuß die Umgebung. Der Zeltplatz war gut besucht (Schulklasse, Finnen, Deutsche, Russen).

Sonntag, 28. Juli 2013

Erholung auf der Überfahrt

28. Juli ■ Travemünde - Helsinki

Die Fähre ist zwar kein Luxusdampfer, aber trotzdem sehr angenehm. Wir wohnen in 3-Personen-Kojen, ohne Fenster und getrennt nach Männlein und Weiblein. Es gibt Vollverpflegung, und wenn man nicht isst, dann chillt man eben ein bisschen. Auf der Ostsee ist viel Verkehr, wir haben schon mehrere Frachter überholt. Zur Zeit (14 Uhr) fahren wir an der schwedischen Küste entlang und es regnet seit 1 Stunde.

Samstag, 27. Juli 2013

Tag X - Es geht los.


27. Juli ■ Chemnitz - Travemünde

Abschied am Hauptbahnhof
Chemnitz
Abschied am Bahnhof Chemnitz bei fast Sahara-Temperaturen mit einem mulmigen Gefühl, was uns erwarten wird. Heute tuckerten wir mit der Bahn über Leipzig - Hannover - Hamburg nach Travemünde. Das Umsteigen mit den bepackten Rädern war ein Kraftakt, da man meist 2-3 Stufen überwinden musste.

In Hannover gewitterte es. Der Zug von Hamburg nach Travemünde war voll, weil dort ein Volksfest stattfand. Da wir noch Zeit hatten, stiegen wir nicht am Skandinavienkai aus, sondern fuhren bis zur Endstation. Dann regnete es wieder ein wenig. Wir stellten fest, dass man vom Bahnhof Skandinavienkai noch einige Kilometer fahren muss, um auf das Schiff zu gelangen, ausgeschildert ist nicht viel, normalerweise fährt man von hier mit einem Zubringerbus.

Ohne Verspätungen kamen wir an Ort und Stelle an, jetzt konnte das Abenteuer beginnen. Der Fährhafen war um diese Zeit (23 Uhr) noch gut besucht. Und ein paar Gleichgesinnte gibt es immer, mit denen man sehr schnell ins Gespräch kommt.

Fährhafen Travemünde


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Sonntag, 7. Juli 2013

Mückentest im Spreewald- 4.-7. Juli 2013

Das verlängerte Wochenende mit Freunden im Spreewald zu verbringen, war schon lange geplant. Also ideal, um unsere Ausrüstung zu testen und uns wieder an das Zeltplatzleben zu gewöhnen. Immerhin habe ich, Sandra, das letzte Mal 1989 gezeltet. Deshalb hatte ich gemischte Gefühle, aber war trotz einiger Zipperlein zuversichtlich. Eigentlich gibt es ja auch kein zurück mehr; Bahn und Fähre sind gebucht.

Am Donnerstag, 14 Uhr, fuhren wir mit dem Zug nach Riesa, von wo wir nach ca. 45 km auf einen wunderbar gelegenen Wald-mit-See-Zeltplatz kamen. Der Imbiss dort war spartanisch (Pommes rot/weiß), sodass unsere selbstgekochte Linsensuppe zu einem Festmahl wurde. Aber wenigstens gab es ein kühles Bier:).

Am nächsten Morgen,  nach gefühlten 3 Stunden Schlaf hangabwärts ;), aber ohne Schmerzen,  schafften wir es, in 1,5 Stunden abreisebereit zu sein; sicher noch ausbaufähig.

Gemütlich ging es 90 km über Finsterwalde bis nach Lehde bei Lübbenau.

Dort campierten wir auf einer der vielen Inseln, die nur zu Fuß oder mit dem Kahn erreichbar sind. Unsere schweren, fast 1 Zentner wiegenden Fahrräder über die typischen Holzbrücken zu bugsieren, war ein Kraft- und Balanceakt. Zu zweit aber kein Problem.

Am Samstag "trainierten" wir die beim Radfahren immer zu kurz kommende Schulter-Nacken-Muskulatur und Oberarme beim paddeln durch die Spreekanäle; eindeutig anstrengender. Und der Kampf gegen die kleinen und in Massen auftretenden Plagegeister namens Mücke wurde ausgiebig geprobt. Bei entsprechender Anwendung von Mückenspray und  Antimückenbekleidung haben sie keine Chance. Das Zelt blieb weitestgehend befreit davon. Natürlich achtet man nicht immer darauf... ich habe bei 30 aufgehört zu zählen.

Die 3. Zeltnacht ist vorbei und ein wunderschöner sonniger Morgen.

Fazit: Andi fühlt sich wie gerädert, aber das liegt wahrscheinlich eher an seinem momentanen Arbeitspensum... er braucht für den einsetzenden Erholungseffekt relativ lange. Ich dagegen kam jede Nacht besser klar. Und nun steigt die Vorfreude...

Nachdem wir alles, was wir wollten, erprobten und 2 lustige Tage mit unserem "Diner-Club" hatten, traten wir nochmals 75 km in die Pedalen und stiegen nach einer letzten Stunde im, für meine Verhältnisse, Sprinttempo von durchschnittlichen 25 km/h, in Doberlug-Kirchhain in den Zug. Durch eine 10-minütige Verspätung  des Zuges entspannte sich die Lage für uns... und wir hatten noch 13 min. Zeit bis zur Abfahrt.:)