Montag, 19. August 2013

Mit der Inlandsbahn 12 Stunden nach Östersund

19. August ■ Jokkmokk - Östersund

Wir sitzen sehr bequem in der Inlandsbahn und lassen uns ca. 600 km nach Östersund fahren.
Dabei durchqueren wir die Provinzen Norrbotten und Västerbotten, womit  der Botten von Ost (Finnland) nach West umrundet ist. Östersund (44.000 Einwohner) ist Hauptstadt der am dünnsten besiedelten schwedischen Provinz Jämtland (2 EW/km²). Zuvor geht es noch durch Städtchen mit klangvollen Namen wie Vilhelmina und Dorotea.

Brücke über Pitälven
Die Bahn bummelt mit 60-80 km/h und hält unterwegs zum Fotografieren, Baden oder Essen. Der Fahrer ist sehr entspannt; zu Beginn fuhr er schon mal los, während wir noch unsere Sachen einluden. Nur mit Hilfe zwei weiterer auffällig in die für uns bekannten Straßenbauerleuchtjacken gekleidete Männer und wildes Gestikulieren hielt er nochmal an.

Der Wagon ist von Fiat und mit schwedischen Motoren gebaut und schaukelt wie ein Schiff bei Seegang. Es fahren ca. 15 Leute mit; vom Wanderer aus Österreich über Liebespärchen, Omi/ Enkel-Familien bis hin zu einem gut deutsch sprechenden und interessierten Stockholmer, der weiß, dass Chemnitz früher Karl-Marx-Stadt hieß.

Heute mit Motorkraft
Erster Halt war für ca. 5 min. natürlich am Polarkreis. Der Badestop fiel aus (kein Badewetter).
Der Höhepunkt kam kurze Zeit später:  das erste Rentier. Der Zug fuhr extra langsamer.
Die Brücke über den Pitälven (4.größter Fluss des Landes) wurde zu Fuß überquert, verfolgt vom Zug. In Schweden gibt es 4 große Flüsse, die nicht verändert werden dürfen. Zu ihnen gehören Pitälven und Vindelälven.

Für etwa 30 min. hielt er dann zu Mittag in Moskosel. Dort gab es auch einen kleinen Einblick in die Geschichte der Inlandsbahn.
Empfang mit Musik in Arvidsjaur

Auf der weiteren Strecke hat der Lokführer  trotz Hupen und Vollbremsung ein Rentier überfahren :-(. Das scheint aber kein seltenes Ereignis zu sein. Der Fahrer hat das in sein Fahrtenbuch eingetragen und ist weitergefahren.

Bahnhof Dorotea
In Sorsele trafen wir auf den nach Norden fahrenden Gegenzug. Und immer wieder: atemberaubende Landschaft, Wälder, Seen, Flüsse, fast keine menschlichen Siedlungen.

Von Zeit zu Zeit gab es Erklärungen vom Zugbegleiter Niklas, zu den sehens- und wissenswerten Ereignissen das Gebiet des Bahnstreckenverlauf betreffend. Z.T. untermalt mit passender Begleitmusik.
Vindelälven
In Vilhelmina gab es Abendbrot, nach 10 Stunden lässt die Begeisterung für das Zugfahren etwas nach. Radfahren macht dann doch irgendwie mehr Spaß ;-).

In Östersund angekommen, schliefen wir in einer Jugendherberge in einem Antik-Zimmer (Dielen, altes Ledersofa, Ölbilder an den Wänden, blaue Goldmustertapete) gemeinsam mit einem netten Wanderpärchen aus Österreich, welches mit uns in Jokkmokk einstieg und wir schon näher in der Bahn kennen gelernt hatten. Es gab viel zu erzählen.



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Sonntag, 18. August 2013

Wandertag in Jokkmokk

18. August ■ Jokkmokk

Strahlender Sonnenschein (das Wetter ist hier viel launiger als in Deutschland). Gestern abend beschlossen wir, nicht, wie ursprünglich geplant, nach Kvikkjokk zu fahren.  Das wollen  wir uns für den nächsten Besuch hier aufheben.
Mühlenbach
Heute wanderten wir lieber entlang des  Kvarnbäcksleden (Mühlenbachpfad). Der  ist knapp 8 km lang und ein sehr schön angelegter Naturlehrpfad durch Wald und Sumpf am Rande des Sees von Jokkmokk. Da wir etwa mittig zu ihm wohnen, ging es zunächst nach Süden und zurück und danach nach Norden und wieder zurück.

Morgen wollen wir vorzeitig mit der Inlandsbahn nach Östersund, also Richtung Süden fahren. Dort werden wir dann ziemlich nahe dem Fjäll (Hochland) sein. Geplant sind weiter 2 Tage mit dem Rad von Östersund in der Nähe der Bahnstrecke zu fahren, um dann später wieder in die Bahn zu steigen.
Heute aßen wir recht zeitig zu Abend. Es gab Resteressen, u. a. Fischpudding. Sandi hob nach dem ersten Bissen die Zähne. Fischpudding schmeckt genau so, wie man sich das vorstellt: Pudding mit Fischgeschmack. Dann doch lieber das schwedische Dünnbier (2,5%) trinken ;).

Polarkreis am Inlandsvägen (E 45)
Nach dem Abendbrot ging es zur Fotosession an den Polarkreis an der E45 (Inlandsvägen), diesmal von Nord nach Süd. Der Info-Parkplatz liegt sehr schön an einem See; es gibt auch einen Campingplatz und einen obligatorischen Souvenirladen, wo man sich z.B. ein Polarkreiszertifikat kaufen kann. Er hatte allerdings schon geschlossen. Natürlich lag dort auch wieder ein Geocache für Sandi.

Scheinwerferausstattung
Übrigens haben hier viele Autos am vorderen Spoiler 2 bis 4  Zusatzscheinwerfer montiert. Die sind sicher in der dunklen Jahreszeit von großer Wichtigkeit. Apropos Autos: sehr viele Volvos, weniger Japaner und Deutsche, keine Fiats und Franzosen (die springen bestimmt im Winter nicht mehr an ;) ). Außerdem werden die Autos gefahren, bis sie auseinander fallen. Man sieht häufig die herrlich antiken sargförmigen Volvos. Robuste Autos werden hier benötigt.



Samstag, 17. August 2013

Ruhetag in Jokkmokk

17. August ■ Jokkmokk

Bahnhofsgebäude
Es regnet und die Temperatur ist auf 13 Grad gefallen. So konnten wir mit gutem Gewissen bis 10 Uhr ausschlafen und gemütlich frühstücken.

Alte Dorfkirche
Motorschlittenstraße
Endlich aus dem Knick gekommen, verschafften wir uns einen Überblick und schauten zunächst zum "Bahnhof" (winzig) der Inlandsbahn. Das ist die einzige Möglichkeit bei der die Mitnahme von Fahrrädern kein Problem ist. Und wir etwas schneller als Fahrradtempo nach Süden wechseln können. Sie ist Verkehrsmittel und Museumsbahn zugleich. Das heißt, ein bisschen Zeit braucht man, da die Bahn nur mit ca. 60 km/h fährt und bei Sehenswürdigkeiten oder auch mal nur für einen Snack einfach Pause macht und hält. Das ist für uns genau das Richtige.

Nun zurück nach Jokkmokk.
Sehenswert sind die beiden, eine alte und eine neue Kirche, die alte davon ist eine Holzkirche.
Inlandsbahn bei der Einfahrt nach Jokkmokk
Heute begriffen wir auch endlich den Sinn der häufig zu sehenden querliegenden roten Kreuze an Pfählen oder Bäumen. Sie kennzeichnen Motorschlittenstraßen. Im Winter gibt es analog zu den Autostraßen ein  entsprechend ausgebautes und beschildertes System von eben diesen, teils über Seen führend, die ca. 8 Monate im Jahr  zugefroren sind. Immerhin wird es hier bis - 40°C kalt.

Thermometer in Lappland: -50° bis 50°
Pflicht war natürlich das Samenmuseum (Samen = Ureinwohner von Lappland). Sehens- und heute auch hörenswert; es wurden samische Lieder vorgetragen. Es war früher ein sehr hartes Leben, besonders im Winter. Das hätten wir verwöhnten Zivilisationsmenschen nicht lange durchgehalten.

Und abends begrüßte Andi die Inlandsbahn noch einmal als sie Richtung Norden (1x/Tag) unterwegs war. Die ist richtig niedlich, nur 1 Wagon.

Freitag, 16. August 2013

Einfach nur schön

16. August ■ Mårdsel - Jokkmokk (97 km)

6 Uhr 30 klingelt der Wecker, aber Andi war schon vorher wach und weckte Sandi sanft. Herrliche Ruhe, außer dem Flussplätschern absolut nichts, aber die Mücken waren auch schon da.

Zunächst ging es durch leicht hügeliges Gelände (Wald, Sumpf und einige kleinere Seen) in einer totalen Stille, wie wir sie noch nirgends erlebt haben. Radwandern, wie es wohl besser nicht geht... sehr entspannend, fast meditierend, da die  körperliche Anstrengung sich in Grenzen hält. Es schmerzt jedenfalls nichts.
Statistik der ersten 30 km bis kurz vor Murjek:
- 1 Privat-PKW
- 1 Privat-PKW, der in einer Einfahrt stand
- 1 Forstauto am Straßenrand, Arbeiter im Wald
- 1 Walkerin
- Einige Schlittenhunde
Alle haben gegrüßt, die Hunde haben gebellt.:)
Am Polarkreis

Der Weg führte uns weiter zum Lulleälven, der hier für ein Kraftwerk zu einem See angestaut wird. Wir fuhren linksseitig des Flusses, wo auch die gut befahrene Fernstraße verläuft. Zuvor gab es noch eine kilometerlange Abfahrt hin zum Stausee. Mit bis zu 57 km/h war die ziemlich rasant.

Die Linie der Fahnen symbolisiert den Polarkreis 
Nach 1.487 km auf dem Rad erreichten wir bei strahlendem Sonnenschein gegen 16 Uhr den nördlichen Polarkreis. Hier gibt es an der Straße einen Parkplatz mit entsprechenden Markierungen. Wobei diese eher symbolischer Natur sind, da der Polarkreis wandert: aller 40.000 Jahre innerhalb einer 180 km breiten Zone (zur Zeit nach Norden) und aller 18,6 Jahre in einer 570 m breiten Zone (zur Zeit am nördlichen Wendepunkt).

Der angestaute Lulleälven
In Jokkmokk angekommen, checkten wir für zunächst 3 Übernachtungen in eine Jugendherberge ein (eigenes Zimmer, Dusche, Küche und WC auf der Etage). Danach erkundeten wir die recht überschaubare Stadt und gingen essen.



Donnerstag, 15. August 2013

Wenige Kilometer - viele Eindrücke

15. August ■ Sörbyn - Mårdsel (41 km)

Heute Morgen 8.30 Uhr: Draußen ist es kühl, windig und es nieselt leicht. Jeder sucht sich irgendwelche häuslichen wichtigen Tätigkeiten, damit er die warme Hütte nicht verlassen muss.

Spät, aber immerhin doch noch, ging es 12.20 Uhr los. Der Regen war weg, nur der Nordwind blieb und so testeten wir heute, wie es sich mit einem 50 kg schweren Rad bei Gegenwind bergauf fährt.
Auf den ersten 40 km nach Mårdsel (davon 21 km unbefestigt, aber überwiegend gut gängig) begegneten uns:
- 2 LKW
- 6 private PKW
- 1 Postauto auf der Hin- und Rückfahrt
- 1 Bagger an der Baustelle
50% der Privat-PKW-Insassen und alle anderen grüßten uns freundlich, der Postfahrer sogar 2x ;-).

Råne Älv
Die Straße führte für 20 km entlang dem Råne Älv, einem kleinem, fischreichen Flüsschen. Von der Qualität der Straße waren wir beeindruckt. Die Entscheidung, nicht doch noch auf die in etwa 20 km Entfernung verlaufende Fernstraße zu schwenken, war wohl richtig. Und wir fahren wirklich mitten durch die fast noch unberührte lappische Wildnis. Aber leider sind wir noch keinem Elch begegnet ... jedoch einem seit 20 Jahren hier lebenden Biologen aus ursprünglich Schwaben, der uns erzählte, wann die Tiere am ehesten zu sehen sind. Nämlich frühmorgens und spätabends und, ganz wichtig, Bären um diese Jahreszeit zum Glück satt sind.

Endlose Weite
...und bei der ersten Etappe blieb es  auch, da wir am dortigen Flussufer einen sehr familiären, nicht in der der Karte verzeichneten Privat-Campingplatz vorfanden. So bleiben für die morgige Tour bis Jokkmokk ein paar mehr Kilometer (93) übrig. Mücken sind auch wieder da, aber mehr die großen, die nicht ganz so nerven. Mückenspray und Nelkenöl, sowie entsprechende Kleidung helfen auch hier ganz gut.

Abends am Lagerfeuer
Der nette Biologe erzählte, dass er die Behörden bei der Auswahl von hiesigen Naturschutzgebieten berät. Die kleinen Bäume, die hier in den Wäldern wachsen (ca. 10 Meter hoch, aber relativ dicke Stämme) sind bis zu 200 Jahre alt (die Reste des Urwaldes). Lappland ist der letzte Urwald Europas. Zum Teil werden hier auch Bäume abgeholzt, die 250-500 Jahre alt sind, geschlagen, nach seiner Aussage ist das Raubbau, da die Bäume langsamer nachwachsen. Das Ergebnis  sieht man recht deutlich. Allerdings kann man es als Außenstehender nicht einschätzen, da einem die Vorkenntnisse fehlen. In manchen Gegenden soll es aber noch richtigen Urwald geben, wo noch nie Holz geschlagen wurde (z.B. im Muddus-Nationalpark).

Kurz vorm Zubettgehen hatten wir noch ein nettes Gespräch mit dem Wohnmobilisten - Profi-Saxophonspieler i.R. Jetzt fährt er durch halb Europa und besucht Festivals.

Dies ist wahrscheinlich einer der bisher entlegensten Orte auf unserer Reise. Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist 40 km entfernt.




Mittwoch, 14. August 2013

Gen Westen

14. August ■ kurz vor Morjärv - Sörbyn (67 km)

Blick über den See am Morgen
Unsere Frühzeremonie fiel heute recht rational aus, aber der Kaffee musste noch her. Ansonsten war es aufgrund der Biester und der heute wirklich klammen Klamotten nicht so prickelnd.

Es wurde aber bald besser. Als wir auf dem Rad saßen, verzog sich der Morgennebel und die Sonne kam heraus. Da heute nur eine relativ kurze Strecke geplant war, verlängerten wir noch zu einem See hinunter, wo Sandi ihren bisher nördlichsten Geocache loggte.

Dann radelten wir gemütlich nach Morjärv, wo es sogar einen größeren Einkaufsladen gibt. Da trödelten wir und unterhielten uns ein ganzes Weilchen mit einem netten, interessierten Einheimischen. Er erzählte uns, dass es in dieser Gegend Bären und Elche gibt. Man solle nachts im Zelt deshalb das Radio einschalten oder sich unterhalten (oder eben andere lautere Geräusche machen ;-).

Erst gegen 13 Uhr kamen wir richtig in die Gänge; das Gelände war etwas hügeliger als gestern. Wir fuhren parallel zur Bahnstrecke Boden-Kalix auf einer gut ausgebauten Straße. Manche Autofahrer grüßten, wahrscheinlich ist man als vollbepackter Radfahrer eine seltene Erscheinung. Wir sind jedenfalls seit der Einmaligkeit in Finnland keinem mehr begegnet.

Heute haben wir es das 1. Mal erlebt, dass eine Unterkunft ausgebucht ist. Trotzdem haben wir, dank des guten Willens und unserer Toleranz eine Lösung gefunden und übernachten in einem Blockhaus direkt am See. Auch wenn der Preis sich jenseits von gut und böse bewegt. Skandinavien ist mitunter auch recht teuer. Leider hat man bei unserer Art des Reisens nicht allzuviele Alternativen. Und für 3x wildzelten in Folge fehlt uns doch noch ein bisschen der Wille.

Dienstag, 13. August 2013

Schwedisch Lappland

13. August ■ Haparanda -  kurz vor Morjärv (88 km)

Tornio Älv, der Grenzfluss zwischen Finnland und Schweden
In Schweden haben wir die Uhr 1 Stunde zurückgestellt, so dass wir jetzt wieder mit der deutschen Zeit synchron sind.

Gegen 10 Uhr waren wir startbereit. Zuerst noch schwedische Kronen beschaffen und dann am Torne Älv ca. 25 km nach Norden, die ersten beiden Kilometer letztmals auf dieser Tour durch Finnland.

Der Fluss ist, wie alle größeren Flüsse, die wir bis jetzt sahen, beeindruckend breit. Vielleicht liegt das daran, dass sie weder begradigt noch vertieft wurden.

Bei Tante Emma
Endlos
Bei Karungi hat der Fluss Stromschnellen. In diesem Dorf fanden wir kurze Zeit später sogar einen Tante Emma Laden in Miniausgabe, und da es gerade regnete, aßen wir gleich zu Mittag eine Pankini (das ist ein belegtes Baguette, welches noch gegrillt werden muss). Uns fehlte natürlich der Grill; dies übernahm freundlicherweise der Ladenbesitzer. Und lud uns noch zu einem Gratis Kaffee ein. In der Mitte des kleinen Geschäftes (ca. 15 m²) stand  nämlich noch ein rundes Tischchen mit Kaffeekanne, Küchlein und Keksen wie bei Muttern.


Absolute Einsamkeit
Danach ging es nach Westen durch das Lappland, wie wir es uns vorgestellt hatten. Eine herrliche Landschaft: sanft geschwungene Hügel, bewachsen mit relativ kleinen, dafür etwas dickeren Bäumen, wieder vorwiegend Kiefern, Fichten und Birken aufgelockert durch Lichtungen und Sumpfgebiete sowie gelegentlich Seen. Der Wald ist nicht so dunkel, wie wir es in Deutschland gewöhnt sind. Selten sieht man Häuser. Die Straße, z.T. unbefestigt und manchmal schottrig mit ausgewaschenen Schlaglöchern, war sehr wenig befahren (geschätzt 10 Autos pro Stunde).

Jetzt zelten wir nach Jedermannsrecht an einem kleinen See kurz vor Morjärv und sind in lästiger Gesellschaft von vielen kleinen aufdringlichen Biestern ;).

Montag, 12. August 2013

Finnisch Lappland

12. August ■ Campingplatz Merihelmi - Tornio/Haparanda (90 km)

Morgens an der Ostsee
Wieder frühzeitig gegen 7 Uhr wach, spürten wir das erste Mal eine kräftige Kühle, vielleicht 10 bis 12°C beim Aufstehen. Wir sind eben doch schon ganz schön "weit oben". Jedoch können wir uns bisher nicht beklagen, die Sonne bringt zumindest tags noch einige Wärme. Andererseits haben wir noch genügend weitere Schichten zum Anziehen. Immerhin kamen die langen Radhosen noch nicht zum Einsatz.

Verkehrszeichen in Lappland
Nach den üblichen Morgenaktionen, wie Toilette, Zeltabbau, Packen und Frühstück genießen (i.d.R. mit Kaffee, Tee, Porridge o.ä. und/oder finnisches Brot mit Käse o. Aufstrich) fuhren wir entlang der Küste nach Tornio und deren kleinere schwedische Zwillingsstadt Haparanda und sind damit am Nordzipfel der Ostsee angekommen. Gegen Mittag überquerten wir nahe der Stadt Kemi den längsten Fluss Finnlands, den Kemijoki, der hier, kurz vor der Mündung, beeindruckend breit ist. Kemi selbst fanden wir eher trist und heruntergekommen. Dort speisten wir mal wieder zur Abwechslung neben Pizza und Kebab bei Subway und schnell ging es weiter.
Kemijoki  kurz vor der Mündung -
mehr See als Fluss
Angekommen sind wir in einer schönen schwedischen Jugendherberge (Vandrarhem) direkt am Tornionjoki (schwedisch: torne älv), dem Grenzfluss. Am Nachmittag deckten wir uns u. a. mit Vorräten ein, da wir nicht sicher sind, ob wir auf unserem weiteren Weg (etwa 4 Tage sind geplant) nach Jokkmokk an einem Laden vorbeikommen.

Grenzüberschreitung

Heute verabschieden wir uns von Finnland. Ein faszinierendes, weites und ruhiges Land mit zu uns sehr freundlichen Bewohnern.
Bis zum nächsten mal!

Oft sprachen uns einfach, vor allem auch ältere Leute oder welche, die eher am Rand der Gesellschaft leben, an und fragten, angesichts unserer bepackten Räder, wo wir herkommen usw. Alle wünschten herzlich Gute Reise.

Wir werden sicher mal wiederkommen!

Eigentlich sollte an dieser Stelle noch ein Bild von der Grenze zu Schweden kommen, aber diese existiert hier faktisch nicht.

Sonntag, 11. August 2013

Riviera kurz vorm Polarkreis

11. August ■ Oulu - in der Nähe von Kuivaniemi (70 km)

Radweg de luxe
Lappland ist nicht mehr weit
Wir sind heute auf dem Zeltplatz Merihelmi, ca. 100 km südlich des Polarkreises angekommen. Bisher dachte ich, dass man hier nur auf "bleiche Leute mit Pelzmütze"  trifft ;). Statt dessen sitzen wir jetzt in der Abendsonne am ruhigen, sauberen Ostseestrand in einer kleinen Bucht. Hier ist die Urlaubssaison vorbei; die finnischen Kinder gehen schon wieder zur Schule.
Abends an der Ostsee

Andi war baden und schätzt 17 Grad Wassertemperatur, also fast wie an der deutschen Küste im Sommer. Das Ostseewasser hat hier nur 0,3 Prozent Salzgehalt (kaum Verdunstung und Zufluss durch viele Flüsse) und ist sehr sauber, fast trinkbar.

Neben uns zeltet ein Holländer, der allein auf einer Tour mit seinem Jeep bisher 11.000 km durch Nordeuropa gefahren ist.

Samstag, 10. August 2013

Ruhetag in Oulu

10.August ■ Oulu

Nachdem wir ausgiebig ausgeschlafen hatten, sonnten wir uns und ließen die Seele baumeln.

Markthalle
Am frühen Nachmittag radelten wir vom Campingplatz, der auf einer Insel liegt, über 2 Brücken ca. 4 km in die Innenstadt.

Oulu ist eine sehr schöne Stadt mit vielen Grünflächen und Uferpromenaden. Hier ist das Oulujoki-Delta. Das heißt auch, dass mehrere Inseln zur Stadt gehören.
Belebtes Hafenviertel mit Livemusik

Blick auf die Ostsee in der Nähe des Zeltplatzes
Sehenswert ist die Markthalle. Es gibt sehr viele verschiedene Restaurants, Cafés und Bars, die z.T. urig sind und reichlich besucht waren. Die Leute sind ausgelassen und genießen den kurzen Sommer. Die Autofahrer verlieren sich unter den sehr zahlreichen Radfahrern.

Radfahren in Finnland

Der Radverkehr ist hier besser als in Deutschland in den Gesamtverkehr integriert.  Man ist hier ein Verkehrsteilnehmer erster Klasse und nicht nur geduldet.
Z.B. muss man viel seltener anhalten als in Deutschland, man fährt insgesamt flüssiger und entspannter. Dies aus folgenden Gründen:
- weniger Ampeln, mehr Kreisverkehr
- mehr Tunnel für Radfahrer und Fußgänger
- mehr gut ausgebaute Radwege, meist kombiniert mit Fußwegen, aber so breit, dass es für alle stressfrei ist
- Radewege enden nie abrupt im "Nirvana", sondern meist an einem Zebrastreifen
- sehr viele Zebrastreifen, welche von den Autofahrern respektiert werden. Mittlerweile fahren wir, fast ohne zu bremsen über die Straße, da man sich auf die Autofahrer meist verlassen kann. Dies müssen wir uns in Deutschland wieder abgewöhnen ;-).
Ich denke, der finnische Staat ist nicht reicher als der deutsche, man setzt eben nur die Prioritäten anders.
Oulu hat, obwohl es kurz vor dem Polarkreis liegt, im Winter einen Radverkehrsanteil von 12 Prozent. Da kann Chemnitz selbst im Sommer nur davon träumen.

Freitag, 9. August 2013

Die ersten 1000 Kilometer liegen hinter uns

9.August ■ Siikajoki - Oulu (82 km)

Wir sind in Oulu angekommen und der Tacho zeigt 1014 km. Dies sind nach 12 Tagen auf dem Rad 84 km pro Tag. Laut Planung wären es 733 km gewesen. Wir sind also nicht immer die kürzeste Strecke gefahren ;-).

Der Tag begann mit Regen, der erst nachmittags zu Ende ging. Dank der Regenausrüstung war es aber auszuhalten. Der Küstenradweg ging konsequenterweise fast immer durch den Wald. Vom Meer war nichts zu sehen.
Gruß vom Marktpolizisten in Oulu

Mittags besuchten wir eine Vogelbeobachtungsstation. Interessant waren hier Tafeln, auf denen der frühere Küstenverlauf zu sehen war. Das Meer hat sich in den letzten 400 Jahren um einige km zurückgezogen (ich vermute, aufgrund der Landhebung, ca. 1 Meter in 100 Jahren).

Abendleben an der Bucht von Oulu
Und jetzt sind wir in einer etwas muffigen Hütte auf dem Campingplatz, der aber an der schönsten Sandbucht Finnlands liegt. Wir haben das "Glück", dass an diesem Wochenende ein Heavy Metall Festival stattfindet und wir in entsprechender Nachbarschaft mit den Fans wohnen. Hier in Oulo gibt es wirklich viele kulturell ansprechende Höhepunkte. Und die Stadt lebt irgendwie... wir waren am Abend noch unterwegs und die Parks sind noch von reichlich, vor allem jungen Leuten bevölkert. Morgen vormittag wollen wir noch einmal das Flair genießen. Evtl. bleiben wir noch 1 Tag hier.
Die Stadt ist sehenswert, über mehrere Inseln verteilt.


Donnerstag, 8. August 2013

Die Waldbaustelle

Wer behauptet, daß wir in Deutschland zu viele Verkehrszeichen haben, hat diese Baustelle noch nicht gesehen.

Wir fuhren eine Schotterpiste im Wald und diese kreuzt eine Bahnstrecke. In der einen Stunde, die wir auf dieser Straße unterwegs waren, begegnete uns genau 1 Auto. Logisch, da muss ein Tunnel gebaut werden, und damit kein Chaos ausbricht, müssen schön viele Schilder aufgestellt werden (auf den Fotos eine Auswahl davon) ;-)

Sandi, bremsen!!
Gleich dürfen wir wieder 80 fahren
Mit 80 Sachen durch den Wald ;-)